· Beratungsangebote

Drogenberatung im Landkreis Oberhavel bietet jetzt auch Akupunktur an

Teamleiterin Andrea Wulsten, Kreisverbandsarzt Dr. Thomas Kahl und Fachbereichsleiterin Nadja Antonczik (v. l.)
In den Modellen ist erkennbar, welche Punkte im Ohr genadelt werden.

Die Drogen- und Suchtberatungsstelle des DRK-Kreisverbandes Märkisch-Oder-Havel-Spree e.V. setzt bei ihrer Arbeit mit Suchtkranken im Landkreis Oberhavel künftig auch auf den Einsatz von Akupunktur. Deren Nutzen liegt unter anderem darin, das „Craving“, das Verlangen nach einem Suchtmittel, zu reduzieren.

Die Teamleiterin der Drogen- und Suchtberatung des DRK-Kreisverbandes, Andrea Wulsten, bietet ab sofort an den Standorten Oranienburg und Hennigsdorf auf Wunsch ein standardisiertes Akupunkturverfahren an. „Drei Klient*innen nutzen bereits dieses Angebot und haben gute Erfahrungen gemacht“, berichtet Andrea Wulsten. 

Je fünf Nadeln in beide Ohren

Bei der Akupunktur nach dem Anfang der 1980er-Jahre in den USA entwickelten NADA-Protokoll werden jeweils fünf Nadeln an bestimmte Punkte an beiden Ohren gesetzt. Dort verbleiben die Nadeln bis zu 40 Minuten, bis sie wieder entfernt werden. „Die Nadeln sind 0,2 Millimeter dünn und sind kaum spürbar beim Einstich.“ 

Der Nutzen des Nadelns ist sehr vielfältig. Über die Verminderung eines Suchtverlangens hinaus wirkt die Behandlung oft stressreduzierend bei seelischen Krisensituationen. Helfen kann das Nadeln zudem bei innerer Unruhe, Angstzuständen und Schlafstörungen, bei Konzentrationsschwierigkeiten oder Problemen mit Hyperaktivität. Auch bei Menschen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, und bei Schmerzpatient*innen werden positive Effekte der NADA-Akupunktur beschrieben.

Oft im Rahmen einer Gruppensitzung

Die Behandlung nach dem Verfahren der NADA (National Acupuncture Detoxification Association) ist seit Jahrzehnten als niedrigschwellige Regulationstherapieform weltweit erprobt und erfolgreich. Inzwischen wird sie auch bei anderen Krankheitsbildern oder Krisensituationen eingesetzt. In der Regel erfolgt sie im Rahmen einer Gruppensitzung. „Während unsere Klientinnen und Klienten die Nadeln im Ohr haben, muss kein Beratungsgespräch geführt werden“, erläutert Andrea Wulsten. Die Behandlung ist aber auch im Einzelsetting möglich.

Die Teamleiterin der Drogen- und Suchtberatung des DRK-Kreisverbandes Märkisch-Oder-Havel-Spree e.V. absolvierte im vergangenen Jahr ihre Akupunktur-Ausbildung bei der NADA Deutsche Sektion e.V. Die für eine solche medizinische Tätigkeit und invasive Maßnahme erforderliche formale Freigabe erteilte ihr Kreisverbandsarzt Dr. Thomas Kahl. Das Präsidiumsmitglied des DRK-Kreisverbandes Märkisch-Oder-Havel-Spree e.V. ist als Oberarzt an der Medizinischen Universität Lausitz in Cottbus tätig.

Ausweitung des Angebotes angedacht

Für die Drogen- und Suchtberatung im Landkreis Oberhavel denkt Nadja Antonczik, Fachbereichsleiterin Soziale Arbeit und Beratung im DRK-Kreisverband, nach den ersten guten Erfahrungen mit dem NADA-Protokoll bereits an eine Ausweitung des Angebotes. „Wir wollen auch weitere Mitarbeitende fortbilden und zertifizieren lassen.“

Die Drogen- und Suchtberatungsstelle des DRK-Kreisverbandes Märkisch-Oder-Havel-Spree e.V. arbeitet an vier Standorten in drei Städten im Landkreis Oberhavel und richtet sich an Menschen jeden Alters mit einer primär illegalen Drogenproblematik (Gefährdung, Missbrauch und Abhängigkeit) sowie an deren Angehörige und Bezugspersonen. 

Im zurückliegenden Jahr 2025 haben in Oranienburg, Hennigsdorf und Gransee insgesamt 1448 Beratungsgespräche stattgefunden. Persönlichen Kontakt gab es zu 352 Personen: 291 Betroffene und 61 Angehörige. Hinzu kamen im Laufe des vergangenen Jahres 32 Präventionsveranstaltungen mit 766 Teilnehmenden. Unter Regie der Beratungsstelle des DRK-Kreisverbandes existieren zudem fünf Selbsthilfegruppen.

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